VOLKSLIED und VOLKSMUSIK

ZITATEN (1950 bis Heute)



"Die alte Stadt mit ihren Zunftbräuchen,
Handwerkburschen, Nachtwächtern, Marktliedern
hat viel vom frischen Volksleben des Landes bewahrt und weiterentwickelt;
ihre Wirtshäuser und Herbergen sind nicht weniger Stätten des Volksliedes

Walter Wiora ("Das echte Volkslied", 1950)



"Der Tanzschlager ist das geworden
was früher einmal das Volkslied gewesen ist:
der musikalische Ausdruck der Lebensfreude, der Sehnsucht und des Humors."

Michael Jary, Musiker und Schlagerkomponist (1906-1988)



"Allein die Tatsache, dass ein Lied von einem großen Kollektiv,
von Massen, gesungen wird, macht es noch nicht zu einem Volkslied."

Wolfgang Steinitz ("Deutsche Volkslieder", 1954)



"Auch das Volkslied, das echte alte und echte deutsche Volkslied,
gehört zu den Musiken,
die von modernen Schlager immer mehr verdrängt werden."

Walter Haas ("Das Schlagerbuch", 1957)



"Wir können rascher ein Atomkraftwerk bauen und
eher auf den Mond gelangen, als es uns gelungen sein wird,
das große Erbe der Klassischen und der Modernen Musik
so anzutreten dass es Besitz des werktätigen Volkes ist."

Hanns Eisler (1898-1962, "Über die Dummheit in der Musik",1958)



"Der Kundige weiß allerdings, daß Liedgut Wandergut ist."

Bernard Martin ("Hessischen Liederblatt", 1962)



"Wir haben uns gefragt, warum wir in unseren Breiten
keinen Yves Montand oder George Brassens,
keinen Pete Seeger und keine Joan Baez haben."

Diethart Kerbs, Begründer des Waldeck-Festivals (1964)



"Der Chansonnier, auch der Volksliedsänger,
will sein Publikum etwas sagen-
von rein gefühlsbetontem Gesang hat er nichts,
selbst ein 'rein' lyrisches Chanson ist
ohne intellektuelle Interpretation ein Unding.
Chansons, ja selbst Volkslieder,
dürfen wir heute nicht mehr unreflektiert singen."

Peter Rohland, Liedermacher (1966)



"..Tot sind unsre Lieder, unsre alten Lieder,
Lehrer haben sie zerbissen, Kurzbehoste sie verklampft,
braune Horden totgeschrien, Stiefel in den Dreck gestampft."

Franz Josef Degenhardt, Liedermacher (1966)



"Der Volksmund singt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist,
aber es klingt doch alles sehr viel anders als bei den Wandervögeln....."

Peter Rühmkorf ("Über das Volksvermögen", 1967)



"Die ehemalige Volksliederei - am Lagerfeuer,
auf der Frühlingswiese, beim Klotzen, mit Klampfe und Geige, -
es war ja keinem von denen, die das nicht als Jugenderinnerung in sich trugen,
verständlich zu machen, daß das nicht so infantil-sentimental gewesen ist,
wie es dem heutigen erscheint."

Helmut Gollwitzer (1969)



"Die Definition des Volksliedes ist historisch längst gesichert:
Ein Volkslied ist ein Lied aus vergangenen Zeiten,
dessen Dichter und Komponist fast immer vergessen sind."

Oss & Hein Kröher, Folkmusiker ("Rotgraue Raben" ,1969)



"Die gesellschaftlichen Strukturen und die sie teils bedingenden Massenmedien
haben dem historischen Volkslied Raum und Überzeugungskraft entzogen."

D. Zimmerschied ("Gesucht: das Volkslied", 1971)



"Volkslied ist ein Sammelbegriff
für höchst verschiedenartige und heterogene Phänomene"

Lutz Röhrig ("Handbuch des Volksliedes", 1973)



"Mit der volkstümlichen Musik,
die immer noch und immer wieder als sogenannte deutsche Innigkeit
verkitscht oder mit zackigem Marschstiefelrhytmus
an den Mann gebracht wird, mit solch aufdringlicher Popularität
haben die Volkslieder, die Hein und Oss [Kröher] singen,
nicht das geringste zu tun."

Sofie Fendel, Journalistin ("Deutsche Welle", September 1977)



"Volkslieder handeln von einfachen Leuten,
von den Sorgen und den Gefühlen der Mehrheit,
nur selten von Köningen und Salondamen,
sie sind nicht für Höfe und hohe Herscherhäuser gedacht."

Andreas Kettel, (Diplom-Bibliothekar und Schallplattenproduzent in "Volksliederbuch", 1979)



"Unterdrückte zensierte und verbotene anstelle der verordneten Lieder
sind die eigentliche Volkslieder für die neuen Sänger."

Florian Steinbiß, (Deutsch-Folk, Auf der Suche nach der verlorenen Tradition, 1984)



"Viele Jugendliche sind allein schon gegen zu oft mißbrauchte Wörter
wie 'Heimat', 'Volkslied', 'Vergangenheit' allergisch,
empfinden wohl die in Text und Ton heraufbeschworene 'heile Welt'
der ihr in den Medien präsentierten (angeblichen!) 'Volksmusik'
als kitschig und unehrlich."

Hans-Jürgen Fuchs, Volkliedsammler (1985)



"Lieder machen selten an Landes- oder Stammesgrenzen halt...."

Rolf Wilhelm Brednich, Universität Göttingen (1994)



"Vieles der traditionellen Musikkultur ist auch durch die
vorherrschende Übermacht der elektronischen Musik
und ihrer Instrumente schon verloren gegangen."

Rolf Janssen, Mitglied in der Stuttgarter Gruppe "Spielleut" (1996)



"Als im Frühjahr 1983 die ersten Compact Discs
ganz vereinzelt in den Plattenläden auftauchten,
da waren die Folk Aficionados sich ziemlich sicher,
daß es ihre Musik nie auf CD geben würde."

Axel Schuldes, CDiscography Zusammensteller (1996)



"In Deutschland nennt Volksmusik sich heute Volkstümliche Musik.
Sie greifen Rhythmen aus der ursprünglichen Volksmusik auf
und verhunzen es bis zum geht nicht mehr.
Es ist nur dumm und blöd."

Helmut Debus, plattdeutscher Liedermacher: "Der Leederkerl" (1997).



"Die Zeit des Tangos in Argentinien ist vorbei,
es ist nicht mehr so wie früher."

Alfredo Marucci, Bandoneónspieler (1997).



"Viele Komponisten haben sich von Volksmusik inspirieren lassen
und diese zeitlose Tradition auf vielfältige Weise ausgedrückt."

Misha Alperin (Moscow Art Trio, 1998).



"Die meisten "Folkstädte" und "Folkregionen" der Bundesländer
liegen in folkloristischen Dornröschenschlaff oder
beschränken ihre Aktivitäten auf heimatspezifische Folklore
mit Wein, Feuerwehr und eingeladenen Trachtengruppen."

Hedo Holland ("Folk Magazin", April 2001).



"Man kann von einer mit den Waldeck-Festival beginnenden,
in den achtziger Jahre reichenden Epoche der Liedermacher sprechen,
vergleichbar mit jenen das Lied befruchtenden Vormärzzeiten,
wie es sie geschichtlich immer wieder gegeben hat."

Holger Böning, Schriftsteller ("Der Traum von einer Sache", 2004).



"Wenn alle Welt Samba hören und tanzen würde
gäbe es weder Krieg noch Zerstörung."

Gilberto Gil, brasilianischer Kulturminister und Musiker (2004).



"Von Volksmusik spricht in Deutschland sowieso
fast keiner ohne eine gewisse Häme.
Am wenigsten im Lager der Folklore Anhänger."
Da spricht man lieber von 'Folk, Lied und Weltmusik'.

Mischa Rösch, ("e-mail an "Folker", November 2004).



"Eine traditionelle Melodie, die aufgeschrieben ist,
ist ja eigentlich schon fast tot
Weil die Art und Weise, wie man sie spielte,
meist nicht aufgeschrieben wurde."

Wolfgang Meyering, Musiker in Malbrook (2004).



"[...] ich hab jahrelang über Volksmusik nachgedacht,
die eigentlich doch was ganz anderes ist als das Volkslied."

Erich Schmeckenbecher, Musiker, u A. in Zupfgeigenhansl, (2004).



"Volksmusik ist heute [...] nicht mehr das, was sie mal war,
als sich Volksmusik in erster Linie
von höfischer und geistlicher Musik unterschied,
aber nach wie vor ist es Musik, die entweder
vom Volk gemacht oder aber zumindenst vom Volk gehört wird.
In diesem Sinne ist Pop- und Rockmusik auch Volksmusik."

Michiael A. Smieder, ("e-mail an "Folker", Januar 2005).



"Tradition ist immer das, was man daraus macht."

Andreas Voss, Bassist in "Fink" (2005).



"Die Pfalz ist unsere Heimat.
[...] Folkgruppen gibt's da eigentlich sehr wenige.
Wir wollen auch ein bisschen aufzeigen,
dass Volksmusik früher auch andere Dinge beinhaltet hat
und nicht nur Pfälzer Schunkel- und Schoppeglasmusik war."

Paul Reinig von "Reinig, Braun + Böhm" (2005).



"Die Folkmusik hat es nicht leicht in diesen Tagen
In den meisten Rundfunkstationen fristet sie
ein kümmerliches Dasein."

Michael Kleff, Chefredakteur ("Folker", Juli 2005).



"Wolfgang Steinitz [...] Seiner Arbeiten
haben grundlegend dazu beigetragen,
dass das 'Volkslied' nicht reaktionären Grupierungen
und völkischen Ideologen überlassen blieb."

Eckhard John, Deutsches Volksliedarchiv Freiburg (2005).



"Fragt man die Pioniere des deutschen Folkrevivals nach Steinitz,
dann bekommen sie leuchtende Augen."

Wolfgang Leyn, Journalist ("Folker", Juli 2005).



"Während in den 70ern Folk noch von selbst lief,
muss man heute viel intensiver Netwerke bilden
und Kommunikationsstrukturen schaffen,
denn eine Lobby für den Folk,
wie sie damals der öffentlich-rechtliche Rundfunk
oder die Printmedien darstellten, ist nicht mehr in Sicht."

Maik Wolter, Musiker ("Folker", November 2005).



"Die deutsche Folkszene wird bald vergreisen,
wenn wir nicht gegensteuern."

Florian Fürst, Geschäftsführer PROFOLK (2005).



"[...] wo immer ich hingehe und sage, "Ich mache Volksmusik",
muss ich mich rechtfertigen."

Urs Klauser, Schweizer Musiker in Tritonus ("Folker", Mai 2007).



"In Zeiten de Globaliserung
stellt man sich wieder vermehrt die Frage, wo wir herkommen.
Wir stellen fest, dass viele junge Leute wieder Volksmusik hören."

Dide Marfurt, Schweizer Musiker in Doppelbock ("Folker", Mai 2007).



"Viele Volkslieder transportierten im doppelten Sinne
ein Gefühl von Verlust. Schon als sich vor 200 Jahren
der begrif 'Volkslied' durchsetzte,
sahen die Volksliedsammler seine Existenz bedroht."

Birger Gesthuisen ("Folker", Mai 2007).



"Während in der DDR der ideologischen Beeinflüssung und Erziehung
mittels Musik und Gesang grosse Bedeutung zugemessen würde,
spielten politische Lieder in der Bundesrepublik
bis Anfang der 1960er Jahre praktisch keine Rolle."

CD-Büchlein zu "Dass nichts bleibt, wie es war!" (150 Jahre Arbeiter und Freiheitslieder, Teil 4, 2010).



"Politische Liedermacher gibt es kaum noch."

Kai Degenhardt ("Folker", September 2013).



"Ich kann kein anders Lied schreiben als eines,
in dem meine echte Empörung drin steckt."

Dota Kehr, Liedermacherin ("Folker", November 2013).



"Wenn wir zurückschauen,
sind viele gesellschäftliche Änderungen von Liedern begeleitet worden."

Johan Meijer, Liedermacher und Sänger (CD-Büchlein zu "Europeana, Zeitenwechsel", 2013).



"[...] Folkmusik ist eben nicht mehr so populär wie in den Achtzigerjahren."

Jürgen Weller, Vorsitzender Folkclub Taunusstein e.V. ("Folker", Januar 2014).



"Es ist ein normaler Weg in Volksliedern, wenn Melodien umtextiert werden
(Kontrafaktur- oder auch Parodieverfahren).
Melodien 'wandern', etwa von einer Sprache oder Ethnie
mit ihrer spezifischen Kultur zu anderen,
und dabei verändert sich nicht nur der Text,
sondern auch die musikalische Faktur,
die vom neuen kulturellen Umfeld adaptiert werd."

Prof. Dr. Hartmut Fladt, Musikwissenschaftler ("Folker", März 2014).



"Auf der Waldeck wird Mitte der Sechzigerjahre das neue deutschsprachige Lied geboren."

Michael Kleff, Chefredakteur ("Folker", März 2014).



"Volkslied und Volksleid sind eng miteinander verbunden.
Daraus erwuchs Tradition.
In ihr finden sich die Leiden und Schmerzen unseren Vorfahren,
die noch um ihren Leben fürchten mussten,
um uns das zu erkämpfen,
was wir heute als selbsverständlich erachten."

Erich Schmeckenbecher (Liedersänger und Musikproduzent, 2015).



"Wenn manche Plattenfirmen und Veranstalter behaupten,
'Folk interessiert heute doch niemand mehr',
dann haben sie die jüngste Entwicklung verschlafen."

Christian Rath, ("Folker", Januar 2017).



"Volksmusik bleibt sagenhaft"

Joop van den Bremen, Liebhaber (2017).



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